
Am Freitag überquert eine Kaltfront Deutschland von Frankreich kommend und löst zunächst im Westen Schauer, später im Osten auch teils kräftige Gewitter aus. Im März sind jedoch noch keine sommerlichen Hitzegewitter möglich – wir haben es jetzt mit den sog. Frontgewittern zu tun. Über 90 Prozent aller Gewitter entwickeln sich in Deutschland zwischen Mai und August. Das sind meistens die bekannten Wärmegewitter, die sich an drückend schwülen Tagen bevorzugt nachmittags bilden. Es gibt jedoch mitunter auch in den anderen Jahreszeiten und an kühlen Tagen Gewitter, die jedoch eine etwas andere Entstehungsgeschichte haben.
Gewitter entstehen dann, wenn Luft kräftig in höhere Schichten getrieben wird. Diese sog. Hebung kann auf unterschiedliche Arten ausgelöst werden. Bei einem sommerlichen Hitzegewitter sind es Warmluftblasen, die aufsteigen und dann in den höheren und kälteren Regionen wärmer als die Umgebungsluft bleiben, wodurch ihr weiterer Aufstieg begünstigt wird. Am Freitag schiebt sich jedoch die aus Westen kommende Kaltluft gewaltsam unter die bei uns eingeflossene warme Mittelmeerluft und hebt diese an – hier spricht man von erzwungener Hebung.
Entscheidend für die Heftigkeit der dadurch ausgelösten Regenfälle ist die Tageszeit, zu der die Kaltfront wirksam wird. Denn je später die Hebung erfolgt, desto länger konnte die Sonne die vorliegende Warmluft erwärmen, wodurch diese noch leichter aufsteigen kann. Somit wird es am Freitag im Westen vormittags lediglich regnen, mitunter aber recht intensiv. Um die Mittagszeit hat die Kaltfront etwa die Mitte Deutschlands erreicht, wo es kräftige Schauer geben wird, die vereinzelt auch mal von Blitz und Donner begleitet werden können. Gegen Nachmittag und Abend können sich dann in der Osthälfte teils kräftige Gewitter entwickeln.
Somit spielt auch am Freitag die nachmittägliche Wärme bei der Gewitterauslösung am Freitag eine wichtige Rolle. Aber ohne Unterstützung einer Wetterfront würden sich zu dieser Jahreszeit noch keine Wärmegewitter von alleine bilden können. Auch unwetterartige Entwicklungen sind Ende März recht unwahrscheinlich. Jedoch können in Schauer- und Gewitternähe immer stürmische Böen auftreten und die Blitze sind im Frühjahr ebenso heiß wie im Hochsommer, nämlich bis zu 30.000 Grad.

Ab den Mittagsstunden haben sich über Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg erste kräftige Schauer und Gewitter gebildet.
So konnte an der Wetterstation in Gießen in einem Gewitter eine Orkanböe von 122 Kilometern pro Stunde gemessen werden, in Würzburg eine orkanartige Böe von 104 Kilometern pro Stunde.
Angeblich Tornado in Mainz
Augenzeugen wollen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz einen kurzzeitigen Tornado beobachtet haben.
Umgestürzte Bäume
Nach Angaben der Polizei entstanden in Mainz vielerorts Sachschäden: Bäume wurden entwurzelt, Bauzäune und Absperrungen umgestoßen, Verkehrsschilder fielen um. Auf der Rheinland - Pfalz-Ausstellung, die derzeit im Stadtteil Hechtsheim stattfindet, wurden Gegenstände aufgewirbelt, ebenso auf dem ZDF - Gelände in Mainz-Lerchenberg.
Sturm fegt durch Bayern
Im Tagesverlauf verschlechtert sich das Wetter auch im Südosten dramatisch: "Am Nachmittag fällt die kalte Luft rasant in die Bodenseeregion und anschließend in das aufgeheizte Bayern ein", erklärte Meteorologe Thomas Globig. Das Tief mit dem Regen und die Gewitter kommen zügig bis zur Oberpfalz voran und ziehen am Abend Richtung Osten weiter. An seiner Südflanke wird es weiter sehr windig: Schwere Sturmböen, möglicherweise auch Orkanböen fegen dann durch Bayern. Auch das Flachland ist davon betroffen.
Bis zu 25 Liter Regen in der Nacht
Auch die Nacht wird in weiten Teilen des Landes richtig ungemütlich: In Schleswig-Holstein, an der Ostseeküste, über der Mitte Deutschlands und dann auch im gesamten Osten wird es kräftig regnen und teils schwere Gewitter räumen die Warmluft aus. "Lokal können 20 oder 25 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen", befürchtet Globig. "Das Tief zieht dann weiter nach Nordosten, hinter der nass-kalten Front wird das Wetter schnell wieder ruhiger", sagte der Meteorologe.
Wieder gewittriger Regen
Am Samstagvormittag ist es östlich der Elbe noch stärker bewölkt, in Mecklenburg-Vorpommern regnet es am Morgen. Im großen Rest des Landes ist es wechselhaft, und es gibt immer wieder teils intensivere Regenschauer. Südlich des Mains sind am Samstag auch wieder Gewitter möglich, "allerdings ist Sturm nicht mehr dabei", sagte Globig.
Das nächste Tief wartet schon
Ähnlich trübe präsentiert sich der Sonntag: Es bleibt bewölkt mit zeitweiligen, kurzen Auflockerungen. Im Tagesverlauf zieht von Frankreich aber ein neues Tief in den Westen: "Im Saarland und in Baden-Württemberg beginnt es wieder heftig zu regnen", kündigte Globig an. Auch die Temperaturen liegen nach dem Wetterwechsel nicht mehr auf Frühlingsniveau: Unter dichten Wolken bleiben die Höchstwerte bei acht bis zwölf Grad hängen, wo die Sonne mal rauskommt sind 13 bis 14 Grad drin.
Am Montag zehn Grad und Regen
Die Aussichten für die neue Wetterwoche versprechen keine nachhaltige Besserung: "Wir werden es weiter mit dicken Wolken und teils länger anhaltendem Regen zu tun bekommen", sagte Globig. Zehn Grad sind verbreitet das Maximum bei den Temperaturen. In Bayern und Baden-Württemberg wird es dagegen mit 16 bis 17 Grad etwas milder.
Nur kurze Milderung
Am Dienstag wird es mit 15 bis 18 Grad vorübergehend auch im Norden milder. "Das ist aber eine Eintagsfliege", dämpfte Globig die Erwartungen. Außerdem bleibt es wechselhaft, und erneut braut sich über Deutschland ein eigenständiges Tief zusammen. Dann könnte es noch mal einen Temperaturschock geben: Am Mittwoch erwartet der Wetterexperte nur noch sechs bis elf Grad bei den Höchstwerten, im Bergland auch deutlich darunter. Oberhalb von 500 Metern ist am Donnerstag auch Schneefall möglich.


